Paleo Ernährung und Lebensstil

Die Paleo-Ernährung verdankt ihre Popularität der Tatsache, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und man ihre Grundsätze mit relativ wenig Verzicht einhalten kann.

Die Wurzeln der Paleo-Ernährung

Im Gegensatz zu dem, was der Name vermuten lässt, basiert die Paleo-Ernährung nicht auf der Ernährung des Urmenschen des Paleolit-Zeitalters, sondern auf der der Naturvölker, die uns in den vergangenen 100-150 Jahren bekannt wurden. Die Naturvölker, die ihre traditionelle Lebensweise beibehalten haben, sind so etwas wie die Steinzeitmenschen der Gegenwart, sie leben ja unter den Lebensumständen der Steinzeit und sie verzehren, was ihre Vorfahren vor fünzig- oder hunderttausend Jahren gegessen haben.

Der Urmensch und die heute noch lebenden Naturvölker sind Jäger, Fischer und Sammler und sie essen, was sie in ihrer natürlichen Umwelt finden. Da sich ihre natürliche Umwelt in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert hat, hat sich ihr Organismus den von ihnen erreichbaren Nahrungsmitteln optimal angepasst. Kein Wunder, dass die Zivilisationskrankheiten, die die Bevölkerung der Industrieländer dezimieren, unter ihnen unbekannt sind.

Es ist eine traurige Statistik, dass in Ungarn 50 Prozent der Menschen an Herz- und Kreislauferkrankungen und 25 Prozent an Krebs sterben. Etwa 10-15 Prozent der Menschen sind Diabetiker oder auf dem besten Weg, es zu werden. In den verschiedenen Medien sind oft falsche Informationen über die Lebenserwartung des Urmenschen oder der Naturvölker zu lesen. Angehörige der heute lebenden Naturvölker, die das Erwachsenenalter erreichen, haben gute Chancen, 70-80 Jahre alt zu werden, und sie bleiben während ihres ganzen Lebens frei von den Zivilisationskrankheiten unserer Zeit.

Vieles deutet darauf hin, dass auch der Urmensch so lange gelebt hat, unsere Lebenserwartung ist ja genetisch kodiert und die für die modernen Menschen charakteristische lange Lebenserwartung hat sich nicht in den letzten paar Jahrhunderten, sondern während der vergangenen hunderttausend Jahre entwickelt.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung der Industrieländer laufend verschlechtert. Während Zuckerkrankheit oder Autoimmunerkrankungen im 19. Jahrhundert nur sehr selten vorkamen – auch die erste Diagnose eines Herzinfarkts wurde erst im Jahre 1878 publiziert –, sind diese Krankheiten für uns alltäglich geworden. Seit Charles Darwin hat die Evolutionstheorie die verschiedenen Wissenschaften vom Menschen nacheinander erobert, so wurden die evolutionäre Heilung und die evolutionäre Ernährungswissenschaft geboren.

Die Paleo-Ernährung hat sich auf dem Boden dieser zwei wissenschaftlichen Trends entwickelt.

Die evolutionäre Heilung hat gezeigt, dass die Wurzel der Zivilisationskrankheiten, die in der letzten Phase der Menschheitsgeschichte aufgetreten sind, auf biologischen Mechanismen basiert, die früher vorteilhaft gewesen waren. Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Die Speicherung eines Energieüberschusses in Form von Körperfett ist über Millionen von Jahren ein Überlebensvorteil gewesen, aber in einer Gesellschaft des wirtschaftlichen Wohlstands, wo Lebensmittel jederzeit in genügender Menge zur Verfügung stehen, führt dieser Mechanismus zu Fettleibigkeit und den daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten.

Die evolutionäre Ernährungswissenschaft hat darauf hingewiesen, dass der Mensch heute ganz andere Speisen verzehrt als jene, an die wir evolutionär angepasst sind. In dieser Hinsicht war die Entstehung von Ackerbau und Viehzucht eine entscheidende Wende in der Menschheitsgeschichte.

Der Paleo-Ernährung hat ein einfacher Vergleich zugrunde gelegen. Eine Frage ist nämlich aufgeworfen worden: Warum sind die Naturvölker so gesund, während die in den Industrieländern lebenden Völker, die die gleichen Gene tragen, mit dem Alter immer häufiger krank werden? Der Naturmensch bleibt lebenslang gesund, während die Menschen der Industrieländer in den letzten Jahrzehnten ihres Lebens in der Regel an chronischen Krankheiten leiden.

Die Erklärung ist einfach: Wir haben uns von der für unsere Spezies natürlichen Lebensweise und Ernährung entfernt, dies erklärt das Auftreten der Zivilisationskrankheiten.

Grundlagen der Paleo-Ernährung

Seit den 1970er Jahren wurden mehrere vergleichende Analysen veröffentlicht, die die Ernährung der Naturvölker gezeigt und dargestellt haben, inwieweit sich die Ernährung der Naturvölker von den Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer unterscheidet.

Einer der aussagekräftigsten Unterschiede besteht darin, dass die Ernährungspyramide der Industrieländer überwiegend raffinierte Kohlenhydrate (z. B. Zucker, Produkte aus Weißmehl, Nudeln, geschälter Reis) enthält, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen und zu einem dauerhaft hohen Insulinspiegel führen. Diese beiden Faktoren haben dazu beigetragen, dass z.B. heute 60 Prozent der ungarischen Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig sind. Das gilt nicht mehr nur für ältere Leute, es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche, die mit Gewichtsproblemen kämpfen. Die Vertreter etlicher Trends, darunter auch von Update, haben die Schädlichkeit der raffinierten Kohlenhydrate erkannt und sie haben bewiesen, dass durch die Reduktion des Kohlenhydratgehalts in der Ernährung enorme Ergebnisse erzielt werden können.

Bei Paleo wurden aber noch weitere Schritte unternommen und zusätzliche Verbesserungen eingeführt.

Dessen Vertreter haben festgestellt, dass Getreide nicht nur schnell resorbierbare Kohlenhydrate enthält. Das im Getreide enthaltene Protein namens Gluten steht auch im Verdacht, eine Reihe von Krankheiten zu verursachen. Gluten soll Autoimmunkrankheiten (z. B. Diabetes Typ 1), neurologische Krankheiten und entzündliche Darmkrankheiten auslösen. Ähnliches gilt für den Mais, der bei denen, die dafür empfänglich sind, rheumatoide Arthritis mit einem Autoimmunursprung verursachen kann.

Im Getreide, in Kartoffeln und Hülsenfrüchten sind viele Proteine zu finden, die die Darmwand durchlässig machen und dadurch das „durchlässiger Darm”-Syndrom auslösen. Wenn die Darmwand auf mikroskopischer Ebene durchlässig wird, können Proteinbruchstücke und Krankheitserreger durch die Darmwand in den Organismus gelangen und Überreaktionen des Immunsystems auslösen.

Ein weiterer Unterschied ist, dass Naturvölker zum Beispiel keine Milch und keine Milchprodukte verzehren, Viehzucht ist ja unter steinzeitähnlichen Bedingungen noch unbekannt. Die Milchproteine und der Milchzucker (Lactose) verursachen bei vielen Menschen Verdauungsprobleme, die Forschungen haben einen engen Zusammenhang zwischen Diabetes Typ 1 und der im Säuglingsalter verzehrten Kuhmilch gezeigt.

Eine Reihe von Beobachtungen bestätigt, dass sich der Verzicht auf den Verzehr von Gluten und Milchprotein bei Autismus, Autoimmunerkrankungen und Schizophrenie, aber auch bei Hauterkrankungen wie Akne oder Ekzemen sehr positiv auf den Gesundheitszustand der Patienten auswirkt. In diesem Zusammenhang fürchten viele Menschen die Auswirkungen, die dies auf ihre Knochen haben könnte. Untersuchungen haben gezeigt, dass Naturvölker nur auf einen Bruchteil der Kalziumzufuhr kommen, die Menschen in Industrieländern zu sich nehmen, und trotzdem stärkere Knochen haben. Es scheint, dass sie die geringere Kalziumzufuhr besser nutzen können, vielleicht auch aufgrund ihrer ausgewogenen Ernährung.

Als Reaktion auf die in den 1950er Jahren ausgebrochene „Infarktepidemie” hat die sogenannte Cholesterin-Theorie in der medizinischen Wissenschaft starken Aufschwung genommen. Diese Theorie, die das Ziel hatte, die Entwicklung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erklären, hat sich mittlerweile als völlig falsch erwiesen. Diese Theorie könnte auch von Schulkindern widerlegt werden. Wenn man bereits hunderttausend Jahre lang tierische Fette verzehrt und sich vollständig an diese Ernährung angepasst hat, kann der Verzehr solcher Fetten nicht zu einer Erkrankung führen.

Pflanzliche Öle und Margarinen sind eingeführt worden, um diese tierischen Fette zu ersetzen. Sie haben aber den Gesundheitszustand in den Industrieländern bedauerlicherweise nicht verbessert, sondern verschlechtert. Das Hauptproblem der pflanzlichen Fette und Margarinen liegt in den Omega-6-Fettsäuren: Diese sind Entzündungserreger, erhöhen das Risiko eines Blutgerinnsels und lassen Tumoren wachsen. Während die Bevölkerung der Industrieländer direkt und in versteckter Form Omega-6-Fettsäuren in großer Menge verzehrt, ist die Menge der gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren tierischen Ursprungs, die genau den gegenteiligen Effekt haben, kaum zu messen. Unter den Fetten pflanzlichen Ursprungs sind nur das Oliven- und das Kokosöl (oder -fett) zu erwähnen, die als einzige pflanzliche Fette gesund sind.

Die Frage des Fruchtzuckers soll separat hervorgehoben werden. Fruktose wurde in der Nahrungsmittelindustrie in den letzten Jahrzehnten zur Süßung verwendet, weil sie kostengünstig produziert werden kann. Fruktose ist noch schädlicher als Zucker, der regelmäßige Verzehr signifikanter Mengen Fruktose trägt wesentlich zum Auftreten von Insulinresistenz-bedingten Krankheiten bei, wie zum Beispiel Diabetes Typ 2 (früher auch als Altersdiabetes bezeichnet) oder polyzystisches Ovar-Syndrom.

Wegen der Risiken der Fruktose wird der übermäßige Verzehr von süßen Früchten in der Paleo-Ernährung nicht empfohlen. Die heute gezüchteten Obstsorten weisen nämlich erhebliche Unterschiede gegenüber den in den Natur vorkommenden auf; so ist z. B. deren Zuckergehalt niedriger.

Auf dem Boden der evolutionären Heilung liefert der Paleo-Trend neue Erklärungen für verschiedene Erkrankungen. Während die Onkologie die genetischen Ursachen der Krebskrankheiten erforscht, heben die Studien des Paleo-Trends hervor, dass Krebs bei den Naturvölkern unbekannt ist, obwohl sie die gleichen Gene tragen wie wir. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes haben die gleiche Ursache: eine chronische Stoffwechselstörung, die als Folge der an raffinierten Kohlenhydraten reichen Ernährung auftritt.

Die realistische Paleo-Ernährung

Die Hauptströmung des ungarischen Paleo-Trends wird als realistische Paleo-Ernährung bezeichnet, weil ihr Hauptziel ist, diesen Lebensstil möglichst vielen Menschen zugänglich und für sie attraktiv zu machen. Realistisch, weil sie sich an die modernen Umstände anpasst und die bereits bestehenden Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt.

Die moderne Paleo-Ernährung will weder die Ernährung des Urmenschen noch die der Naturvölker zu 100 % umsetzen, sondern bemüht sich, die Grundsätze der urzeitlichen Ernährung unter modernen Umständen zu rekonstruieren und anzupassen. Aus diesem Grund kommen zum Beispiel dem Paleo-Brot, dem Paleo-Kuchen oder dem Paleo-Teig im realistischen Paleo-Trend eine wichtige Rolle zu. Es gibt ja viele Menschen, die nicht mehr auf eine andere Ernährung wechseln wollen oder können, weil sie seit Jahrzehnten an diese Speisen gewöhnt sind und auf sie nicht verzichten wollen.

Ebenso versuchen die mit Null-Kalorie-Stevia oder Erythrit gesüßten Schokoladen den Wunsch nach Süßigkeiten, der im modernen Alltagsleben sozusagen zur Gewohnheit geworden ist, mit gesunden Süßigkeiten zu befriedigen. Der realistische Paleo-Trend ist bestrebt, chemikalienfreie Grundstoffe zu verwenden. Deswegen wird die Verwendung aller unnötigen Konservierungs-, Farb- und Zusatzstoffe vermieden.

Heilung mit Paleo

Viele Zivilisationskrankheiten sind irreversibel. Trotzdem kennen wir eine Reihe von Krankheiten und Symptomen, die nur durch die westliche Ernährung aufrechterhalten werden.

Die westliche Ernährung wirkt wie eine immer größer werdende Lawine, die immer öfter und immer stärkere Funktionsstörungen und Krankheiten verursacht. Die Paleo-Ernährung wirkt so, als ob diese Lawine begänne, zurückzugehen, wie ein Film, der rückwärts abgespielt wird. Wenn jemand zur Paleo-Ernährung wechselt, normalisiert sich die Zuckerstoffwechselstörung sehr schnell, das heißt, die Insulinresistenz verschwindet, der Blutzuckerspiegel normalisiert sich, die Entzündung bessert sich. Wenn auch Paleo keine Abmagerungskur ist, beginnen viele Leute, schnell abzunehmen, obwohl sie sich nach wie vor satt essen können.

Der sich normalisierende Zuckerstoffwechsel hat auf die damit verbundenen Krankheiten (Diabetes Typ 2, polyzystisches Ovar-Syndrom) eine positive Wirkung. Der Rückgang der Entzündung verbessert entzündungsbedingte Krankheiten (Bluthochdruck, Gelenkschmerzen). Die Verdauung und die Darmflora verbessern sich (mit positiven Auswirkungen auf das irritable Darmsyndrom und andere entzündungsbedingte Darmerkrankungen). Die Durchlässigkeit der Darmwand reduziert sich, wodurch sich Allergien und Autoimmunkrankheiten verbessern. Auch Hauterkrankungen bessern sich (Ekzeme, Psoriasis, Rosacea, Akne, allergische Hautprobleme usw.). Sehr viele Krankheitsbilder werden mit der westlichen Ernährung in Verbindung gebracht. Doch zeigen sich auch bei Krankheiten Verbesserungen, bei denen die Ursachen der Verbesserung unbekannt sind. In diesen Fällen kann die positive Wirkung der Paleo-Ernährung nicht bewiesen werden, darüber freuen dürfen wir uns aber trotzdem.

Zusammenfassung

Die Paleo-Ernährung ist kein konstruierter Modetrend, sondern basiert auf der Erkenntnis, wonach der menschliche Organismus die Nahrung bekommen sollte, an die wir uns hunderttausende Jahre lang angepasst haben. Die realistische Paleo-Ernährung nutzt die modernen Möglichkeiten und versucht, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des heutigen Menschen die urzeitlichen Grundsätze zu rekonstruieren. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, wird von den vielen begeisterten Anhängern und den Menschen, die wieder gesund sind, bestätigt.